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Aufgaben des Trauerns nach Suizid

 

Nach Warum hast du uns das angetan? von Chris Paul (Gütersloh 1998/2004, 4. Aufl.) – ein kurzer Abriss!  

 

Dieses Modell der Traueraufgaben, das sich an J. William Worden (1991) orientiert, bietet einen aktiven Zugang zum Trauerprozess. (nicht nur bei Tod durch Suizid). Chris Paul fokussiert auf die Besonderheiten der Trauer um Suizidenten bei den Suizidhinterbliebenen..

  

Aufgabe I:
Die Wirklichkeit des Verlustes verstandes- und gefühlsmäßig annehmen

 

Bei Suizid findet in der Regel keine Sterbebegleitung statt, es gibt angstbesetzte Phantasien über die Durchführung des Suizids. Evtl. kam es beim Auffinden der Leiche zu Panik! Der Tod kann nicht be-griffen werden wegen der Beschlagnahmung der Leiche, die Freigabe erfolgt erst nach frühestens 2 Tagen, oft dauert es länger; es gibt polizeiliche Verhöre, Beweismittel wie z. B. der Abschiedsbrief werden beschlagnahmt. Innere Schreckensbilder von dem als qualvoll angenommenen Sterben wirken angsteinflößend. Soll der Tote betrachtet werden oder nicht (meistens sind die Phantasien schlimmer als die Realität, nach dem Suizid sehen die Toten oft friedlich und entspannt aus). Die Planung der Bestattung ist erst nach der Freigabe der Leiche möglich – soll es eine Todesanzeige geben, soll der Suizid benannt oder verheimlicht werden, wie soll die Trauerfeier gestaltet werden??

 

Aufgabe II:
Die Schmerzen des Trauerns durchleben

 

Emotionale Schmerzen, Klage und Zorn zeigen sich wegen des Schocks meistens erst nach den körperlichen Störungen wie Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Leere im Brust- und Bauchbereich etc., was die Trauernden zusätzlich verunsichert. Es treten heftige Gefühle auf wie tiefe Verzweiflung, Wut, Schmerz und Schuldgefühle - die sind unerwünscht in der Öffentlichkeit, führen zu gefährlicher Isolation.. Bei Suizid stehen häufig die Schuldgefühle und ihre Abwehr im Vordergrund. Suizidhinterbliebene haben oft Angst, psychisch zu erkranken, sie wünschen sich Ruhe vor den aufgebrachten Gefühlen und sind damit selbst suizidal.

 

Aufgabe III:
Sich an eine Umgebung anpassen, in der die oder der Tote fehlt

 

Viel Zeit ist erforderlich, um den Verlust im Alltag sowie im Bereich der Gefühle und Hoffnungen, Lebensträume und Lebenskonzepte aushalten zu können. Gerade in problematischen Beziehungen, evtl. in Trennungssituationen, ist die innere Bindung stark. Auch die Bewältigung praktischer Probleme ist wichtig (z.B. Neuregelung der Wohnsituation, der Berufstätigkeit, der Kinderbetreuung).

 

Aufgabe IV:
Der oder dem Toten einen neuen Platz zuweisen und sich dem eigenen Leben zuwenden

 

Dazu ist es erforderlich, dass Suizid als Todesursache innerlich angenommen wird, ohne nach Schuldigen zu suchen. Die Fixierung auf den Suizid muss aufgehoben werden.

Befreundete Helfer sollten keinen Druck ausüben; über den Verstorbenen sprechen bzw. zuhören. Respekt und gegenseitige Wertschätzung, Sympathie. Zeit lassen und das Tempo des Abschiednehmens von den verlorenen Lebensumständen selbst zu bestimmen sind von großer Bedeutung

 

 

 
 
 
Letzte Änderung: 07.03.17