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3 Besucher online 21. September 2019, 04:18 Uhr beraten betreuen bewegen

Entscheidung für das Sterben zu Hause

 

Einem Angehörigen, Freund oder Partner das Sterben zu Hause zu ermöglichen, heißt, sich im Vorfeld bewusst zu machen, was dies für alle Beteiligten bedeutet: eine vollständige Veränderung des Alltags, belastende, aber auch schöne Erfahrungen und die persönliche Auseinandersetzung mit Abschied und der Endlichkeit des eigenen Lebens.

 

Wer die Pflege eines Sterbenden zu Hause in Betracht zieht, sollte folgende Fragen klären und mit "ja" beantworten können:.

     

  • Hat der Sterbende wirklich den Wunsch zu Hause zu sterben?
  • Weiß der Sterbende um sein nahes Lebensende und werden keine verlängernden Maßnahmen mehr gewünscht, die einer klinischen Überwachung bedürfen?
  • Befindet sich im Haushalt eine Person, die die Verantwortung für die Versorgung übernimmt?
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Haben sich der Sterbende und seine Angehörigen für eine Sterbepflege daheim entschieden, sollten sie überlegen, welche unterstützenden Hilfen benötigt werden und wo diese zu bekommen sind. Unterstützungsmöglichkeiten zu kennen und zu nutzen, trägt mit dazu bei, dass der Sterbende sein Leben würdevoll und gut umsorgt zu Hause beenden kann.

     

  • Kontakt zum Krankenhausarzt aufnehmen, um die anstehende Entlassung zu besprechen. Aufgabe des Krankenhausarztes ist es, alles ärztlich Notwendige für die Entlassung vorzubereiten.
  • Kontakt zum Krankenhaus - Sozialdienst oder zur Patientenüberleitung im Krankenhaus aufnehmen. Hier werden Sie über alle Fragen der Sicherung der häuslichen Situation beraten. Darüber hinaus kann hier bereits der Kontakt zu einem Pflegedienst vermitteln werden.
  • Einen geeigneten Pflegedienst suchen, der die erforderliche Unterstützung bei der Pflege des Sterbenden leisten kann (siehe ambulante Pflegedienste).
  • Kontakt zum Hausarzt aufnehmen oder einen geeigneten Arzt suchen (bei der Krankenkasse nachfragen, oder ins Branchenbuch schauen). Der Arzt muss zu regelmäßigen Hausbesuchen bereit sein und akzeptieren, dass der Patient keine Therapie der Krankheit mehr wünscht, sondern ausschließlich Maßnahmen, die seine Beschwerden lindern. Wichtig ist, dass der Arzt die erforderliche Schmerztherapie durchführt (siehe schmerztherapeutische Angebote). Wenn möglich, kann die Versorgung durch einen Palliativmediziner / SAPV – Arzt (Spezialisierte Ambulante Palliativ Versorgung) übernommen werden.
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Damit sich der Sterbende zu Hause fühlen kann, bedarf es keines sterilen Krankenzimmers, sondern eines wohnlichen Raumes. Deshalb ist zu überlegen, in welchem Zimmer der Sterbende gut leben kann. Der Raum sollte so eingerichtet werden, dass alles, was dem Sterbenden wichtig ist, zum Beispiel das Telefon, Bücher oder Blumen, gut erreichbar ist. Zur guten Ausstattung gehören im Regelfall ein geeignetes Bett (evtl. ein von der Krankenkasse geliehenes Pflegebett), an das man von allen Seiten bei der Pflege herantreten kann und ein Beistelltisch zum Unterbringen aller notwendigen Gegenstände. Zu überlegen ist, ob das Bett im Schlafzimmer verbleiben soll, oder ob es möglich ist, dass Bett im Wohnbereich zu postieren. Dadurch kann der Betroffene noch aktiv am Geschehen teilhaben.

     

  • eine ausreichende Anzahl von Bettwäsche, Bettlaken sowie Stecklaken
  • Kissen zur Lagerung und geeignete Decken
  • genügend Nachtwäsche
  • Toilettenartikel, Zahn- und Mundpflegeartikel
  • ausreichend Bade- und Handtücher sowie Waschlappen
  • ggf. eine Urinflasche, eine Bettpfanne und einen Toilettenstuhl
  • wenn erforderlich, ausreichend Inkontinenzmaterial
  • Hilfsmittel zur Verhinderung des Wundliegens (z.B. eine Antidekubitusmatratze)
  • zusätzliche Hilfen (wie Rollstuhl, Pflegebett, Sauerstoffapparat).

    Wenn Fragen zur Pflege auftauchen beraten zum Beispiel die ambulanten Pflegedienste, die Beratungsstelle für pflegende Angehörige oder die Krankenkassen.

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Entscheiden sich Angehörige, einen Sterbenden nach Hause zu holen, machen sie manchmal die schmerzliche Erfahrung, dass sich Freunde, Bekannte, Nachbarn und Familienmitglieder zurückziehen. Die Nahestehenden können sich dann nach kurzer Zeit in Isolation befinden, obgleich sie gerade jetzt die Hilfe und Unterstützung ihrer Mitmenschen besonders nötig hätten. Dieser Rückzug zeigt, dass unsere Gesellschaft im Umgang mit Sterben unsicher ist.


Die Sprach- und Hilflosigkeit der Umwelt zu durchbrechen, gelingt noch am ehesten den Betroffenen selbst. So schwer es auch sein mag: in der Regel müssen die Nahestehenden von sich aus den ersten Schritt auf die anderen Menschen tun. Gelingt dies, wird meistens die Erfahrung gemacht, dass Mitmenschen zu Hilfe und Unterstützung bereit sind. Bitten Sie also ganz gezielt um Unterstützung! Zum Beispiel könnte jemand während eines Einkaufs beim Kranken bleiben oder erledigt Ihre Einkäufe.

Erfahrene Helfer sind bei Besuchsdiensten und ambulanten ehrenamtlichen Hospizdiensten zu finden.

 

 
 
 
Letzte Änderung: 07.03.17