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Waldemar Pisarski: Auch am Abend wird es licht sein

Die Kunst, zu leben und zu sterben

Claudius Verlag

München 2005, ISBN 3-532-62320-X, 191 Seiten, 14.80 €

 

Angefangen bei der Widmung, in der Aufrichtigkeit und Authentizität aufscheinen und ein glaubwürdiger Eindruck vermittelt wird, wie ein Mensch „dieses Leben ausatmen“ kann, kennzeichnet hohe sprachliche Sensibilität dieses Buch und spricht damit auch Leser an, die sich mit Scheu dem Thema nähern. Erzählungen, Märchen und Gedichte helfen in allen Kapiteln bei der Vermittlung schwieriger Inhalte; das leitmotivartiges Gedicht und eine gut gewählte Illustration aus der Kunst des 14. bis 20. Jahrhunderts jeweils zu Kapitelbeginn führen fast zwangsläufig zum ruhigen, nachdenklichen Lesen mit vielen Besinnungspausen.

 

Einführende informative Texte über egenwärtigkeit des Sterbens und Umgang mit der eigenen Sterblichkeit in Vergangenheit und Gegenwart, über den gegenwärtigen Stand von Sterbeforschung, Hospizbewegung und Palliativmedizin sind trotz der Kürze umfassend und auch für Laien gut verständlich

 

Aber es geht keineswegs um Fragen, die erst am Lebensende auftreten: Loslassen und Aufgeben, um Raum für neue Entwicklungen zu schaffen, das sind Vorgänge, die das ganze Leben lebendig erhalten. Leben als „abschiedliche Existenz“ im engeren Sinn wird in den Kapiteln „Ein Leben lang loslassen“ und „In der zweiten Lebenshälfte“ dargestellt. Mit dem Kapitel „Liebenswert und liebenswürdig“ leitet Pisarski die zweite Hälfte seines Buches ein, in der es um Lebenskunst und Spiritualität geht: Anregungen, Übungen, Gedanken, die ein Menschenleben im Einklang mit den schweren Bedingungen menschlicher Existenz zum Ziel haben. Aus seiner christlichen Überzeugung macht der Autor dabei keinen Hehl; jeder Abschnitt ist aber so gehalten, dass er für Menschen anderer Glaubensrichtungen „barrierefrei zugänglich“ und in seinen Angeboten zur Hilfestellung nutzbar ist.

 

Das Buch lässt sich an einem Stück durchlesen. Sicher ist es aber sinnvoller, sich in langsamem Tempo voran zu bewegen. Vor allem der vorwiegend spirituelle zweite Teil erfordert viel Ruhe und Besinnung – sei es, weil man als Leser die eigene Einstellung überdenkt und möglicherweise verändert, sei es, weil man Hilfe für einen nahestehenden Menschen sucht, der an den Abschieden seines Lebens verzweifelt.

 

Zielgruppe: Ein Buch für alle, die sich mit der Frage nach sinnerfülltem Leben befassen – durchaus nicht nur am Lebensende. Hilfreich auch für Menschen, die ihre eigene Einstellung zum Leben konkretisieren wollen, um Fragen in ihrem Umfeld begegnen zu können.

 

Erscheinungsbild: Hardcover mit sehr ansprechender Umschlaggestaltung, gut gebunden mit Kapitalband; 8 Illustrationen (schwarz-weiß); insgesamt ein günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Ulrike Redecker (Freiwillige Mitarbeiterin der ZAH)

 
 
 
Letzte Änderung: 07.03.17