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Johann-Christoph Student (Hg.): Sterben, Tod und Trauer. Handbuch für Begleitende

Erstmals erschienen 2004 beim Herder Verlag in Freiburg

272 Seiten, ISBN: 978-3-451-28343-7

 

Die Begleitung von Todkranken, Sterbenden und ihren Angehörigen ist eine umfassende Aufgabe, die Schwierigkeiten in sehr verschiedenen Bereichen mit sich bringen kann. Dieses von dem erfahrenden Palliativmediziner und Psychotherapeuten Johann-Christoph Student herausgegebene Handbuch für Begleitende nimmt diese Tatsache ernst. Statt der Schilderung aus nur einer Perspektive, mit ihren speziellen Erfahrungen, beruflichem Wissen und Fokussierungen, sind in ihm einführende Aufsätze zu unterschiedlichen Themen gesammelt, die jeweils von „Experten“ auf ihrem Gebiet verfasst sind. Das Ergebnis ist eine für Ungeschulte zugängliche, informative und anwendbare Sammlung einzelner Einblicke.

56 zwischen drei- und achtseitige Artikel sind dem Thema nach alphabetisch geordnet. In den Aufsätzen werden drei Gruppen und ihre Probleme angesprochen: Sterbende und Kranke, ihre Angehörigen und schließlich die Begleitenden. Es ist bei vielen Texten nicht klar zuzuordnen, um welche dieser Gruppen es geht. Dies ist allerdings kein Mangel, sondern liegt daran, dass Belastungen der Sterbenden auch Belastungen für Angehörige und Betreuende sind. Es ist für diese etwa hilfreich zu wissen, dass es das Wohlbefinden Sterbender nicht immer verbessert, trinken und essen zu müssen. Ebenso kommt es auch den Betreuten zugute, dass die Bedürfnisse der Begleitenden berücksichtigt und ihre Arbeit organisiert wird. Schließlich leiden unter lebensbedrohlichen Situationen nicht nur die Sterbenden selbst, sondern in besonderem Maße, und über den Tod hinaus, auch Angehörige und Betreuende. Zu einer angestrebten Erneuerung der Sterbekultur gehört auch die Gestaltung der Begleitung des Sterbeprozesses durch die Angehörigen und ihre Trauer.

Große Unterschiede in den Artikeln ergeben sich aus der Perspektive derjenigen, die mit den besprochenen Themen beruflich befasst sind. So sind einige Aufsätze vor allem medizinischen Themen gewidmet, wie etwa der zu Organversagen. Andere führen in die soziale Betreuung (z.B.: „Angst“) und Pflege ein, in spirituelle und religiöse Fragen (es gibt je einen Artikel zu den Sterbekulturen der großen nichtchristlichen Religionen) und in ethische Probleme (z.B.: „Sterbehilfe“). Es werden Probleme der Strukturen des Gesundheitssystems für die Palliativmedizin besprochen (z.B.: „Krankenhaus“) und in Organisatorisches zu Testament und Patientenverfügung eingeführt. Dabei ist wichtig, dass die Artikel meist über den Bereich, mit dem sie sich beschäftigen, hinausgehen und ihre Bedeutung für eine umfassende Sterbebegleitung betonen. Fast alle Texte stellen die Frage in den Vordergrund, was die Erkenntnisse für das Wohl der Sterbenden bedeutet.

Der Gedanke der Palliativmedizin und der Hospizbewegung, dass es bei der Begleitung Sterbender weniger um die Quantität des Lebens (wie lange?), sondern an erster Stelle immer um die Qualität (wie gut?) geht, bietet den Hintergrund aller, auch der medizinischen Texte. Der Medizin kommt hierbei eine ganz andere Rolle zu, als sie traditionell inne hat: Sie ist verantwortlich, dafür Bedingungen zu schaffen, dass Menschen ein lebenswertes Leben führen, selbst wenn es keine Aussicht auf Heilung gibt. Gerade hierfür ist eine ganzheitliche, interdisziplinäre Betreuung der Menschen nötig, die auch aufeinander abgestimmt wird. Die Zusammenstellung verschiedener Eindrücke in diesem Buch liefert weniger eine fundierte Behandlung aller fachlichen Probleme, als vielmehr eine solche ganzheitliche Umschau in die vielen Facetten des Umgangs mit Sterben, Tod und Trauer.

Das Buch richtet sich in erster Linie an Menschen, die, beruflich oder als Laien, Sterbende begleiten und mit dieser Arbeit „das Ziel haben, dem Sterben in unserer Zeit ein neues, menschliches Gesicht zu geben.“ (S.5) Dies können aber auch Menschen sein, die als Angehörige in ihre Betroffenheit gezwungen sind. Obwohl hier die Ziele der Hospizbewegung die Grundlage, nicht das Thema sind, bietet das Buch eine Einführung darein, was es im Detail heißt, dem Sterben ein menschliches Gesicht zu geben. Dennoch ist es vor allem ein Handbuch der Praxis. Es eignet sich zum Nachschlagen ebenso, wie zum kontinuierlichen Lesen.

Die Aufsätze unterscheiden sich in ihrer Sprache stark. Zwar sind alle in ihrer Kürze und Konzentration gut verständlich. Da die Leser hier wegen der thematischen Breite nur Laien sein können, ist die Mühe um Verständlichkeit sehr hilfreich. Die Texte schwanken aber zwischen sachlichem Ton und einer literarischen oder spirituell gefärbten Sprache, was den Themen geschuldet ist.

 

Philipp Bode (freiwilliger Mitarbeiter)

 

 
 
 
Letzte Änderung: 07.03.17