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Gian Domenico Borasio: Über das Sterben. Was wir wissen. Was wir tun können. Wie wir uns darauf einstellen.

Verlag C.H.Beck oHG München

7. Auflage erschienen 2012, 207 Seiten, ISBN: 978-3-406-61708-9

 

Gian Domenico Borasio wurde 1962 geboren und ist heute Lehrbeauftragter für Palliativmedizin an der TU München sowie Inhaber des Lehrstuhls für Palliativmedizin an der Universität Lausanne in der Schweiz. Borasio tritt als einer der engagiertesten Palliativmediziner Europas für die Rechte schwerkranker und sterbender Patienten ein. Er brachte sich lautstark in die Debatte um die rechtliche Wirksamkeit von Patientenverfügungen ein und ist eine der medialen Galionsfiguren der „Palliativszene“.

Das Buch untergliedert sich in 11 Kapitel. Borasio berücksichtigt dabei, wie er es auch in der Medizin tut, die Ganzheitlichkeit am Lebensende. Er beschreibt in den scheinbar aufeinander aufbauenden Kapiteln nicht nur medizinische Aspekte, sondern auch demographische Hintergründe und geht auf die aktuellen Versorgungsstrukturen ein. Die palliative Ausgangssituation und die Strukturen in Deutschland werden so selbst dem Laien verständlich erklärt.

Beschrieben wird nicht nur das palliativmedizinische Versorgungsmodell, auch psychosoziale Betreuung, spirituelle Versorgung und Kommunikation werden ausführlich in die Thematik mit einbezogen. Abschließend werden die Themen Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und Sterbehilfe erörtert.

Gian Domenico Borasio schafft es, in diesem Buch auf erstaunlich unterhaltsame Art und Weise einen Einblick in das Thema Tod und Sterben zu geben und unterstreicht dies vielfach durch Beispiele. Ich möchte dieses Buch eher Sach- als Fachbuch nennen. Durch seinen Stil wird es auch, wie bereits oben beschrieben, selbst für Laien sehr gut lesbar. Erwähnenswert ist Borasios Einstellung gegenüber dem Thema Wachkoma. Er betont die Schwere des Themas in Deutschland vor dem Hintergrund der Gräuel des Nationalsozialismus gegenüber „lebensunwerten Lebens“. Gleichzeitig diskutiert er, „ob die bloße Aufrechterhaltung der biologischen Existenz tatsächlich ein Therapieziel darstellen kann“ (S.119f.) und zweifelt damit die Vorgaben der Bundesärztekammer an. Diese Auseinandersetzung und seine Praxisnähe machen das Buch zur Pflichtliteratur für „Experten“ auf dem Gebiet der Hospiz- und Palliativversorgung.

 

Matthias Kühne (Palliativpfleger, Praktikant ZAH)

 
 
 
Letzte Änderung: 10.03.17