Unionhilfswerk Zentrale Anlaufstelle Hospiz
3 Besucher online 21. September 2019, 10:20 Uhr beraten betreuen bewegen

Paulo Coelho: Veronika beschließt zu sterben

Diogenes Verlag

Zürich 1998

 

Wer in sich den Drang verspürt, die Innenwelt eines psychisch erkrankten Menschen kennen und besser verstehen zu lernen, wird dieses mitreißend geschriebene Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Das Buch von Paulo Coelho, der selbst die Psychiatrie von „Innen“ erlebt hat, eignet sich nicht nur für Menschen, die unter einer seelischen Erkrankung leiden sowie deren Angehörige. Auch für Profis, die im psychiatrischen Bereich tätig sind, kann dieser Perspektivwechsel zu einem ganz neuen Verständnis ihrer Patienten und ihrer eigenen Tätigkeit verhelfen.

 

Selbst in ihrer vermeintlichen Todesstunde lässt sich Veronika, die Protagonistin des Buches, zu etwas hinreißen, was sie bislang gar nicht interessierte: Sie liest einen öden Artikel in einer Zeitschrift. Ihr Leben erscheint ihr schon immer als langweilig und uninteressant. Sie hat eben stets nur auf das reagiert, was ihr begegnet war. Eigene Ideen kann sie nicht verwirklichen, weil sie gar keine hat. Sogar in der Zeit bis endlich ihr Tod eintreten soll, verspürt sie Langeweile. Das Leben scheint ihr nicht lebenswert, deshalb will sie es mit Hilfe von Tabletten beenden. Doch ihr Suizidversuch misslingt und stattdessen führt sie ihr Weg in eine Klinik.

Paolo Coelho beschreibt die Geschichte von Menschen, die sich aus den verschiedensten Gründen in der psychiatrischen Klinik Vilette aufhalten. Die meisten haben sich an diesen Ausnahmezustand gewöhnt und entfernen sich hinter sicheren Mauern immer mehr vom Leben „draußen“. Der behandelnde Arzt, zum Glück kein frustrierter Psychiater, hat seine ganz eigene Ansicht über die Behandlung seiner Patienten. Veronikas Schicksal zeigt beispielhaft, was Menschen brauchen, um in ihrem Leben wieder einen Sinn zu sehen und welchen Weg sie beschreiten, um dorthin zu kommen. Dr. Igor hat „Mittel“, Menschen zu helfen, ihren Lebenswillen wieder wachsen zu lassen. Was den Arzt allerdings sehr überrascht, ist die ansteckende Wirkung der Heilung: Veronikas Bewusstsein eines langsam und unaufhaltsam herannahenden Todes erschreckt viele ihrer Mitpatienten. Durch sie begreifen sie, was auch ihnen entgeht. Durch diese Erkenntnis beginnen sie, ihr eigenes Leben zu überdenken.

 

Dieses warmherzige, in einfachen Sätzen geschriebene Buch kann Lesern dazu dienen, die Welt aus den Augen seelisch erkrankter Menschen nachvollziehbar zu erleben, und darüber hinaus eigene Hindernisse im Leben zu entdecken und abzubauen.

 

Fazit: Berührend!

 

(HaHe)

 

 
 
 
Letzte Änderung: 07.03.17