Unionhilfswerk Zentrale Anlaufstelle Hospiz
3 Besucher online 21. September 2019, 06:47 Uhr beraten betreuen bewegen

Markus Zusak: Die Bücherdiebin

Random House Verlag

München 2008, 2. Auflage

 

Die Bücherdiebin, die Titelfigur des Romans des australischen Autors Markus Zusak, ermöglicht jugendlichen, aber auch erwachsenen Lesern das Kapitel der Nazizeit noch einmal aufzuschlagen, sich diesem ungeliebten Thema aus einem anderen, vielleicht etwas eigenwilligen Blickwinkel zu nähern und neue Sichtweisen zu gewinnen.

 

Die Geschichte der Bücherdiebin wird aus einer ungewöhnlichen Perspektive erzählt. Der Leser erfährt sie vom Tod/ vom Ende her. Der Tod erlebt das Leben aus dem großen Zusammenhang heraus. Er kann erleben wie einzelne Ereignisse sich in ein großes Ganzes einfügen und behält dabei die Hauptakteure im Blick: die Bücherdiebin und ihre Leidensgenossen. Ihre Geschichte beginnt mit dem Miterleben des Sterbens und des Todes ihres kleinen Bruders und mit dem Diebstahl eines Buches. Der Tod, aber auch Worte begleiten die Bücherdiebin. Die Worte zu lesen muss sie aber erst lernen. Sie wird später anderen Menschen vorlesen. Dafür benötigt sie weitere Bücher, in einer Zeit, wo Bücher verbrannt und verboten werden, wo alles knapp ist, wo Menschen leiden, hungern, Gewalt und Tod täglich erfahren.

Dabei wirkt der Tod nicht männlich, nicht wie ein Sensemann, sondern wie eine liebende Mutter. Besonders die Kinder haben es „Ihr“ angetan, für sie hat „Sie“ ein besonderes Augenmerk. Kinderseelen werden sanft auf ihren Armen getragen, auch wenn der Krieg, als ihr „Vorgesetzter“ immer mehr von ihr verlangt. „Es werden immer mehr. … Ich trug sie im Koffer….eine kleine Seele, (die) lag in meinen Armen….“ Die Bücherdiebin ist eingebettet in Geschichten von Menschen, die Verwunderung auslösen, die aber auch überraschen. Es gelten andere Maßstäbe Personen, die bei erstem Kennenlernen erst einmal unsympathisch wirken, wachsen zu ungeahnter Größe und meistern vorher unvollstellbare Situationen. Dieser Einfluss prägt die Bücherdiebin und hilft ihr in diesem Chaos nicht zu versinken.

 

Es ist kein wortgewaltiges Buch. Es ist ein zartes, vorsichtiges Buch mit vielen liebenswerten Details. Einmal begonnen, kann es schwerlich wieder weg gelegt werden.

 

Fazit: ein Buch zum Weinen!

 

(HaHe)

 

 
 
 
Letzte Änderung: 07.03.17