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Kathrin Aehnlich: Alle sterben, auch die Löffelstöre

Arche Literatur Verlag 2007

 

Skarlet erhält einen Brief von ihrem langjährigen sehr guten Freund Paul. Er bittet sie, bei seiner Beerdigung die Grabrede zu halten.

 

Skarlet kennt Paul bereits seit der gemeinsamen Kindergartenzeit. Sie blieben immer im engen Kontakt und sie begleitete ihn auch während seiner Krebserkrankung. Die Bitte um die Grabrede erreicht sie, nachdem Paul bereits verstorben ist, mit 40 Jahren.

 

Der Roman schildert die Erinnerungen, denen Skarlet - praktisch in Vorbereitung auf die Rede - nachgeht. Der Autorin gelingt es, diesen Erinnerungsweg unsentimental und sehr warmherzig zu beschreiben. Sowohl Gedanken an frühere lustige Begebenheiten als auch an Pauls eigenwillige und geradlinige Art geben ein Bild der engen Freundschaft.

 

Die Wehmut und Traurigkeit Skarlets, dass Paul das Aufwachsen seines noch nicht einjährigen Sohnes Lukas nicht mehr erleben und begleiten kann, sind ebenso Ausdruck der engen Verbundenheit wie die gemeinsam mit Pauls Frau Judith gestaltete Vorbereitung der Beerdigung, z.B. bei der Planung der freien Bemalung des Sarges mit Motiven (Elefanten, Engel), die sich auf Kindergartenerlebnisse beziehen.

 

Wie schön und tröstlich, wenn es Hinterbliebenen gelingt, trotz der Trauer um den Verlust eines engen Freundes oder Verwandten auch inneren Raum zu schaffen für die Erinnerungen an die Bereicherung und Freude während der gemeinsamen Zeit. Ich würde mich glücklich schätzen, wenn es einmal Leute geben sollte, die so an ihre Zeit mit mir zurückdenken.

 

Jutta Lode (ehrenamtlich geschrieben für die ZAH)

 

 
 
 
Letzte Änderung: 07.03.17