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Jakob Hein: Vielleicht ist es sogar schön

Piper Verlag München 2004

 

Hinter dem verlockenden Titel verbergen sich Abschied und Trauer eines Sohnes von seiner Mutter.

Jakob Hein erinnert sich an das Leben in seiner Herkunftsfamilie. Im Vordergrund steht die innige Verbundenheit zu seiner Mutter, die er bis zu ihrem Tod begleitet. Er erspart den Lesern lange Berichte über Therapien und Krankenhausaufenthalte und lädt an jüngster deutscher Geschichte Interessierte ein, seinen Weg ein Stück weit zu begleiten.

Der Autor begibt sich auf eine Reise. Es wechseln warme Erinnerungen und hoffnungsvolle Gedanken für die schwerkranke Mutter mit neuen Diagnosen. In diesem Wechselbad der Gefühle erzählt er ihre gemeinsame Geschichte bis zum Schluss. Es ist ein Abschiedsbuch voller Wärme. Der Leser lernt die verschiedenen Lebensentwürfe der Großeltern aber auch der eigenen Familie kennen. Viele Episoden aus der „guten alten DDR-Zeit“ werden dem Leser mit einer guten Portion Humor nahe gebracht. Der eine oder andere DDR-Bürger aus Berlin-Weißensee könnte in das Gespräch gut einsteigen. Immer wieder springt Jakob Hein zurück in eine Zeit, in der die Welt noch in Ordnung zu sein schien, in der die Mutter für alles eine Lösung hatte und immer ein Antwort wusste. Manchmal war auch Schweigen nötig. Der Sohn beobachtet, fragt, geht mit und fühlt sich geborgen, anfänglich als kleiner Junge, als Mann auf dem festem Boden der Erinnerungen, die ihn immer noch zu tragen scheinen.

 

Fazit: ein leichtes Buch, das Innehalten lässt, eigene Erinnerungen wachrufen kann und zugleich einen möglichen Weg des Abschiednehmens aufzeigt.

 

(HaHe)

 

 
 
 
Letzte Änderung: 07.03.17