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5. September 2010, 17:32 Uhr beraten betreuen bewegen
Was ist Trauer?

Unterschiedliche Verlusterfahrungen führen dazu, dass Menschen trauern. Wir trauern beispielsweise um einen verlorenen Arbeitsplatz, um den Verlust unserer Gesundheit und ganz besonders um den Verlust einer nahestehenden Person.

 

Trauer ist keine Krankheit, sie ist eine angemessene sogar gesunde seelische Antwort auf einen erlitte-nen Verlust. Trauer ist normal.

 

In dieser Zeit ist es wichtig, jemanden zu finden, der diese Gefühle teilt und der hilft diese Gefühle zu verstehen bzw. anzunehmen. Dies kann ein Angehöriger, ein guter Freund, ein Kollege, ein Therapeut, ein Seelsorger oder eine Gruppe von Menschen, sein, die dasselbe durchmachen bzw. erlebt haben. Menschen, die sich Zeit nehmen zum Zuhören, zum Mitfühlen und zum Mitgehen.

 

Der Ausdruck der Trauer sowie der Umgang damit ist sehr unterschiedlich und individuell. Dem einen ist es eine Hilfe, gleich wieder zu arbeiten, z.B. sich in Aktivitäten zu stürzen, dem anderen ist dies unmöglich. Er ist wie gelähmt oder wird von den vielfältigen Gefühlen überwältigt.

 

Trauer in der Literatur

 

Sigmund Freund beschreibt die Trauerarbeit als eine seelische Arbeit, die darin besteht, Bindungen von dem Verlorenen zu lösen und alles was mit ihm in Verknüpfung stand zurückzunehmen.

 

Anders betrachtet: der Tod von geliebten Menschen ist in gewisser Weise eine Vorwegnahme unseres eigenen Sterbeerlebens... . Vieles von uns selbst stirbt mit dem Tod des Partners, der Eltern, des Freundes, der Kinder... , ist für uns verloren, nicht mehr vorhanden und hat uns verlassen.

 

  • Es sind die Erlebnisse, die in dieser Weise nur mit diesem Menschen möglich sind.
  • Es sind die Erfahrungen mit und am anderen, die ausschließlich an diese Person gebunden sind.
  • Es ist das Gefühl der eigenen Einzigartigkeit in dieser Beziehung.
  • Es sind die Gespräche, Ideen, Berührungen, die nur diesem einen Menschen in einer ganz bestimmten Art und Weise geschenkt wurden, die nur in dieser Beziehung den nötigen Rahmen gefunden haben.

 

Ausdrucksformen der Trauer

Wenn ein Mensch trauert, dann trauert der ganze Mensch. Die Gefühle sind durcheinander und gehen von Angst bis Zorn über Dankbarkeit, Einsamkeit, Leere, Schock, Verzweiflung, Wut und vieles mehr. Die Gedanken können auch verwirrend und unannehmbar erscheinen. Dann kommen die Warum-Fragen. Der Körper reagiert. Veränderte Verhaltensweisen und seelische Reaktionen (z.B. Müdigkeit, Herzrasen, Appetitmangel, Konzentrationsstörungen, verändertes Zeitgefühl, Rufen nach dem Verstorbenen) können auftreten. Ziel der Trauerarbeit ist es, der Tod und der darin bestehende Verlust eines Menschen zu akzeptieren.

Trauer braucht seine Zeit

Der Trauerprozess ist langwierig und schmerzlich. Manchmal kann er sich über etliche Jahre erstrec-cken, was für viele Menschen, auch wenn sie uns nahe stehen, schwer nachvollziehbar ist. Das höchste Gebot ist "sich Zeit lassen", denn da, wo wir uns genügend Zeit einräumen, können wir fast immer erleben, dass sich die Dinge langsam wandeln.

Trauer ist verschieden

Trauer ist ebenfalls abhängig von der Todesart, d.h. ob der Tod lange erwartet war, plötzlich und un-erwartet eintrat oder ob der Verstorbene Suizid begangen hat. In den verschiedenen Phasen des Lebens wird Trauer unterschiedlich empfunden und verarbeitet. Kinder trauern anders als Erwachsene.

 

Selbst wenn Trauernde den Verlust eines geliebten Menschen bereits angenommen haben, wird es immer wieder Zeiten geben, in denen sie schmerzlich an Sterben und Tod erinnert werden (Geburtstage, Feiertage, Jahrestage usw.)

 

Zusammenfassung

Trauernde sollten wissen, dass Trauer

 

  • zu unserem Leben gehört,
  • keine Krankheit ist,
  • eine lebenswichtige Reaktion ist,
  • eine spontane, natürliche, normale Reaktion unserer ganzen Person auf Verlust und Abschied ist,
  • die Möglichkeit ist, Abschied zu nehmen,
  • den ganzen Menschen erfasst und alle seine Lebensbereiche berührt,
  • individuell ganz unterschiedlich erlebt und gestaltet wird,
  • vielfältig ist.

 

Trauerbegleitung

Aufgabe einer Trauerbegleitung ist es, mit dem Trauernden gemeinsam die Trauerphasen zu durchle-ben und alle Gefühle zuzulassen. Der Trauernde braucht Zeit und die Gewissheit, das alle Gefühle, seien sie auch noch so widersprüchlich, erlaubt sind.

 

Unterstützung und Begleitung in der Trauer

So vielfältig wie die Trauer sein kann, sind auch die Angebote: Einzelgespräche, Trauergruppen (angeleitete, Selbsthilfegruppe, therapeutische Gruppen...) zu bestimmten Zeiten oder für bestimmte Personenkreise (trauernde Kinder, Angehörige nach Suizid, verwaiste Eltern, Angehörige nach Krebs...). Bei der Vielzahl an Möglichkeiten zur Unterstützung in Zeiten der Trauer, kann es sinnvoll sein, sich in der Zentrale Anlaufstelle Hospiz beraten zu lassen. Sie finden hier einen Überblick über Berliner Trauerangebote und erhalten hier die erforderliche Kontaktadressen.

 

Literatur

In Bibliotheken und im Buchhandel gibt es eine Vielzahl von Literatur zum Thema. In der Zeit der Trauer kann ein solches Buch manchmal ein nützlicher Begleiter sein.

Arbeitskreis Trauer Berlin

Der Arbeitskreis Trauer Berlin wurde im Jahre 2001 von der Zentralen Anlaufstelle Hospiz ins Leben gerufen. Er trifft sich alle zwei Monate und besteht aus Einrichtungen und Personen, die mit und für trauernde Menschen arbeiten. Ein wesentliches Ziel des Arbeitskreises ist es, den gemeinsamen Austausch über relevante Themen zu pflegen und das gegenseitige Kennenlernen von Anbietern der Berliner Trauerarbeit zu fördern. Damit kann die Vernetzung der Trauerarbeit in der Stadt unterstützt werden.

 

Weitere Aufgaben des Arbeitskreises sind die Öffentlichkeitsarbeit, Qualitätssicherung, die Informationsweitergabe sowie die praktische Unterstützung von Projekten im Trauerbereich.

 

 
 
 
Letzte Änderung: 16.09.05