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21. April 2014, 04:47 Uhr beraten betreuen bewegen
Was ist Trauer?

 

Trauer ist eine der schwersten Lebenskrisen im Leben eines Menschen. Sie ist keine Krankheit, sondern eine angemessene Reaktion auf einen Verlust, der alles bisher da Gewesene in Frage stellt, der die innere und äußere Ordnung in ein Chaos verwandelt. Nichts ist mehr so, wie es war, alles ist anders, eine völlige Verunsicherung tritt ein.

 

Trauern zu können, ist eine Fähigkeit, die zum Leben gehört; ohne sie würden wir versteinern, wäre eine Neuorientierung nicht möglich.

Trauer ist immer eine schmerzliche und leidvolle Erfahrung, da alle Gefühle mit einbezogen werden. Das heißt, Trauernde sind in ihrer Ganzheit gefordert, geistig, körperlich und seelisch. Das ist anstrengend und manchmal kaum auszuhalten.

Trauern ist immer ein aktiver Prozess, wenn er zur Heilung führen soll. Wir sprechen von Trauerarbeit, denn Trauernde müssen sich in der Welt völlig neu orientieren und sich einen neuen Platz schaffen, der mit dem Verstorbenen nichts mehr gemeinsam hat. Das braucht Zeit und die Möglichkeit, sich immer wieder neu zu erproben, um letztlich den ganz eigenen Weg zu finden, die Trauer zu bewältigen.

 

Es gibt kein Richtig oder Falsch im Trauerprozess. Alles ist möglich, alles kann und darf sein, denn das Erleben der Trauer ist so individuell wie das Erleben einer Liebe. Es gibt keine Richtlinie.

Die Unterschiedlichkeit im Erleben der Trauer hat vor allem mit der Lebensgeschichte, der Lebenssituation und den Erfahrungen des Einzelnen zu tun, aber auch mit dem jeweiligen Verlust. So wird der Tod eines Kindes anders erlebt als der Tod eines schon sehr lange schwerstkranken Angehörigen. Doch allen ist gemeinsam: Es ist der Verlust eines Menschen, der nicht mehr wiederkommt, mit dem man nicht mehr sprechen und das Leben teilen kann.

 

Und es tauchen Fragen auf: Warum? Wieso ich/wir? Wo finde ich den geliebten Menschen jetzt? Wieso kann Gott das zulassen? Bin ich vielleicht schuld an seinem Tod? Habe ich etwas übersehen? Wie ist ein Weiterleben ohne den geliebten Menschen möglich? In mir ist Wut - darf ich die zeigen?

 

Diese Fragen brauchen Raum und die Möglichkeit, immer wieder aus- und angesprochen zu werden. Trauer braucht Begleitung. Sie braucht Menschen, die zuhören, die mitgehen, die aushalten, ohne die Trauer „wegmachen“ zu wollen. Hier setzt Trauerbegleitung an. Ihre Aufgabe ist es, die Trauer, das Leid, diese Fragen gemeinsam auszuhalten, alle Gefühle auf- und anzunehmen. Sie unterstützt jeden Einzelnen auf dem Weg durch die Trauer und auf der Suche nach Neuorientierung. Sie sortiert, gibt Anregungen, bestimmte Themen genauer anzuschauen, und sie verweist auch an andere, wenn sich herausstellt, dass vielleicht eine therapeutische Unterstützung notwendig ist.

 

Es gibt ganz unterschiedliche Angebote, die in der Trauer hilfreich sein können, z.B. Einzelgespräche, begleitete Selbsthilfegruppen, therapeutisch orientierte Gruppen, Gruppen, die bestimmten Themen zugeordnet sind: Verwaiste Eltern, Suizidhinterbliebene, Kinder und Jugendliche, die einen Angehörigen verloren haben, und andere.

Die „richtige“ Gruppe zu finden, ist oft schwer. In der Zentralen Anlaufstelle Hospiz gibt es die Möglichkeit, sich beraten zu lassen und einen Überblick über die Berliner Trauerangebote zu bekommen: Angebote unter: www.hospiz-unter Trauergruppen

 

(Heilwig Groß ehrenamtlich für die ZAH)

 

 

 
 
 
Letzte Änderung: 01.04.14